Studie zur erwartungskonformen Websitegestaltung

eResult hat vor ein paar Tagen eine Studie zum Thema erwartungskonformer Websitegestaltung veröffentlicht.

Für die Studie wurden 600 Internetnutzer nach ihren Erwartungen zu bestimmten Elementen auf Websites im Allgemeinen befragt. Dies waren im Einzelnen:

Navigationsleiste/Menü (Rubriken), Logo, Home-Button/-Link, Suchfunktion, Kontakt-Link, Impressum-Link, Link zu anderssprachigen Versionen des Webangebots, Sitemap, Surfpfad-Anzeige, Schrift vergrößern/ verkleinern, Newsletter-Link, Login (Anmeldebereich für registrierte Nutzer), Über-Uns-Link, Jobangebote, FAQ-Link, Hilfe-Link, Werbung , Datenschutz-Link, Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB), Versand- und Verpackungskosten, Kundenkonto/ persönlicher Bereich, Warenkorb, Zertifizierungen (Gütesiegel)

Die Autoren leiten auf dieser Basis mentale Modelle zur Websitestruktur ab, um möglicherweise Aussagen über eine erwartungskonforme Websitegestaltung machen zu können und die Usability zu erhöhen. Unterschieden wurde dabei in Internetauftritte und Onlineshops.

Da die Studie in ähnlicher Form schon 2003 und 2005 gemacht wurde, lassen sich auch Aussagen über Entwicklungen in diesem Bereich treffen. Zum Beispiel erwarteten 49,9% im Jahr 2005 Datenschutzhinweise auf der Startseite. Im Jahr 2009 waren es mit 2009 58% deutlich mehr Internetnutzer.

Mir liegen nur die öffentlich freigebenen Ausschnitte der Studie vor. Aus denen schließe ich allerdings, dass geschlossen gefragt wurde. Das heißt:

Lieber Nutzer, erwartest Du auf einem Internetauftritt eine Surfpfad-Anzeige? / Und wo erwartest Du dieses Surfpfad-Anzeige?

Mit diesem Ansatz geht einiges verloren. Interessanter wäre meines Erachtens eine offene Fragestruktur nach dem Schema

Lieber Internetnutzer, welche Elemente erwartest Du auf einem Internetauftritt? / Und wo erwartest Du diese Elemente?

Im Anschluss hätte man die Elemente, die den Nutzern nicht eingefallen sind, noch einmal geschlossen abfragen können. Mit diesem Ansatz wäre zwar die Aussagekraft etwas höher, allerdings hätte vermutlich Vergleichbarkeit mit den alten Studien aus den Jahren 2003 und 2005 gelitten.

Hier ein Auszug der Positionierungserwartungen an eine Startseite eines Online-Shops:

Positionierungsschema_OnlineShops_klein

Interessant ist, dass Werbung zum hohen Teil erwartet wird: zu 51,5% auf allgemeinen Internetauftritten und zu 44% in Onlineshops. Diesen Teil sollten sich vor allem Vermarkter gut anschauen. Ein Großteil der Nutzer erwartet Werbung auf der rechten Seite. Unter Umständen ließe sich eine höhere Werbewirksamkeit erreichen, wenn Werbung nicht erwartungskonform platziert werden würde.

Fazit: Die Ergebnisse bieten keine echte Überraschung. Obwohl die obige Herangehensweise (mit offenen Fragen) meines Erachtens bessere Ergebnisse gebracht hätte, kann die Studie dennoch als Grundlage dienen, die Usability einiger Shops zu erhöhen. Unter Umständen sogar die Usability einiger unübersichtlichen Communities oder Social Media-Plattform.

Die vollständige Studie kann für 99 Euro bestellt werden.

Quelle: Brand-Sassen, Katja/Wilhelm, Thorsten (2009): Imagery III: Erwartungskonforme Website-Gestaltung – Ergebnisse einer Längsschnittanalyse (2003 bis 2009). In: Forschungsbeiträge der eResult GmbH, URL: http://www.eresult.de/studien_artikel/forschungsbeitraege/imagery_III.html.

3 Kommentare

  • swarm - 2. Oktober 2009

    Ich habe heute erst gelesen, dass die Usability von 2.0-websites nach einer Studie häufig nicht dem user innerhalb der “ersten 8 Sekunden” vermittelt werden kann, da war von schnellen Ausstiegen von etwas mehr als 40% frustrierter Twitter-Besucher die Rede. Das hat mich doch sehr gewundert… ich reiche die genauen Daten der Studie nochmal nach. Kernaussage: Es besteht noch viel Handlungsbedarf bei der Usability auf social media Websites.

  • Marco Hardiman - 3. Oktober 2009

    Das klingt sehr spannend.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die ein oder andere Community auf den ersten Blick sehr verwirrend wirkt – vor allem für die etwas älteren Nutzer. Ich bin gespannt auf die Details der Studie…

  • swarm - 6. Oktober 2009

    So.. hier wie versprochen die genauen Daten.z
    - 60% aller Twitter-Besucher kehren nicht mehr zurück (Studie von James Kahlbach)
    - 41% aller Twitter-Benutzer sind 35-35 Jahre alt, 16% sind über 54 Jahre alt. (Nielson-Studie)
    - Web 2.0 Content habe “massive Bedienprobleme” – (Studie von Quality Labs Bartel & Quint)
    - “Bewertungsfunktionen nicht intuitiv genug” – (Torsten Bartel)

    Quelle: Dossier von http://www.ibusiness.de, habs leider nur in extrahierter Kopie gelesen.

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